
KI in der Industrie als Leitthema der Hannover Messe 2025
Eröffnung der industriellen Weltleitmesse: Siemens und Ecoplanet gewinnen den Hermes Award 2025
Am Sonntagabend ist die Hannover Messe 2025, die weltweit bedeutendste Industrieschau, mit dem Leitthema „KI in der Industrie“ eröffnet worden – unter gütiger Mithilfe von Robotern unterschiedlichster Ausprägung. Hochrangige Gäste aus Politik und Wirtschaft, darunter Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesminister Cem Özdemir, prägten die Veranstaltung. Kanada Stand als diesjähriges Partnerland aufgrund der geopolitischen Lage besonders im Fokus. Das Land beschäftigt sich – ganz ähnlich wie Deutschland – mit Themen wie Künstliche Intelligenz, Wasserstofftechnologien sowie nachhaltige industrielle Transformation.
Gewinner des Hermes Startup Awards: ecoplanet aus München
Das Münchner Cleantech-Startup ecoplanet wurde für seine innovative KI-Plattform ecoplanet Cockpit mit dem Hermes Startup Award ausgezeichnet. Diese Plattform ermöglicht Unternehmen, ihren Energieverbrauch in Echtzeit zu analysieren, dynamische Tarife optimal zu nutzen und erneuerbare Energien effizient zu integrieren. Dadurch können Energiekosten um bis zu 20 Prozent gesenkt und CO2-Emissionen erheblich reduziert werden.
Ecoplanet hat kürzlich eine Series-A-Finanzierungsrunde über 16 Millionen Euro abgeschlossen, angeführt von EQT Ventures und unterstützt von HV Capital, um sein Wachstum weiter zu beschleunigen. Die Lösung automatisiert Energiemonitoring, Beschaffungsprozesse und Netzentgeltoptimierung, was mittelständischen Unternehmen Transparenz und Wettbewerbsvorteile verschafft.
Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft und Juryvorsitzender, lobte das Startup: „Intelligentes Energie-Monitoring ist ein wesentlicher Baustein für unsere Energiewende.“ Die Plattform hat bereits nach drei Jahren messbare Kosteneinsparungen für Kunden erzielt.
Gewinner des Hermes Awards: Siemens
Siemens erhielt den renommierten Hermes Award 2025 für seine KI-gestützten Industrial Copilots. Diese Technologie deckt die gesamte industrielle Wertschöpfungskette ab – von Design und Planung über Engineering bis hin zu Betrieb und Service. Der Industrial Copilot für das TIA Portal unterstützt Ingenieure dabei, schneller präzisen Code zu schreiben und repetitive Aufgaben zu eliminieren. Mit weltweit über 120.000 Nutzer*innen steigert diese Lösung die Produktivität erheblich.
Die Industrial Copilots sind sowohl als Cloud- als auch als On-Premises-Version verfügbar, um unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Die Preisverleihung erfolgte durch Cem Özdemir im Rahmen der Eröffnungsfeier.
Bemerkenswerte Keynote von Siemens-CEO Dr. Roland Busch
Dr. Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, hielt eine eindrucksvolle Rede zur Eröffnung der Hannover Messe 2025, in der er die transformative Kraft der KI für die Industrie betonte. Seine Vision unterstreicht die entscheidende Rolle von KI bei der Gestaltung der Zukunft der deutschen Industrie.
Dr. Busch hob hervor, dass KI für Verbraucher weiterhin Schlagzeilen mache, doch die wahre Revolution liege in ihrem Einsatz in der Industrie. Er betonte: „In wenigen Jahren werden wir Unterschiede sehen zwischen den Unternehmen, die KI in der Industrie einsetzen und denen, die es nicht tun.“ Dies sei eine riesige Chance für die deutsche Wirtschaft.
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KI solle entscheidend dazu beitragen, ein neues, nachhaltiges Betriebssystem für die Unternehmen zu entwickeln. Hierzu brauche es aber Bürokratieabbau, Planungsbeschleunigungen sowie viel staatliche und private Investitionen sowie ein enges Zusammenspiel zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft – so wie auf der Hannover Messe.
Konkrete Anwendungsbereiche
- Geschäftsprozesse: Mit über 80.000 regelmäßigen Nutzern von KI bei Siemens wird die Effizienz gesteigert und die Produktivität durch maßgeschneiderte Modelle erhöht.
- Produktentwicklung und Simulation: Durch digitale Zwillinge werden reale und digitale Welten miteinander verbunden – etwa zur Optimierung von Kühlungssystemen oder komplexen Projekten wie einem wasserstoffbetriebenen Schiff mit 7 Millionen Bauteilen.
- Produktion und Fertigung: Beispiele wie Audi zeigen, wie KI-Apps Produktionsprozesse flexibler und schneller machen. Siemens hat zudem Steuerungssysteme entwickelt, bei denen Software von Hardware getrennt wird, was Echtzeit-Flexibilität ermöglicht.
Industrielle Fundamentalmodelle und KI-Agenten
Ein besonderes Highlight seiner Rede war die Vorstellung industrieller Fundamentalmodelle und KI-Agenten. Diese Modelle sind speziell für kritische Anwendungen in der Industrie konzipiert und zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine „Halluzinationen“ erzeugen.
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Sie können jede Art von Daten verarbeiten und mehrere komplexe Aufgaben parallel übernehmen. Dr. Busch prognostizierte, dass zukünftige Unternehmen von einer Mischung aus menschlichen Führungskräften und KI-Agenten geleitet werden.
Ausblick: Weniger Bürokratie, mehr Innovation
Dr. Busch schloss seine Rede mit einer bemerkenswerten Aussage, auch zur KI in der Industrie: „Wir sind die letzte Generation, die noch ein Unternehmen nur aus Menschen leitet – die nächste Generation wird einen Mix aus Menschen und Agenten führen.“ Mit seinem eigenen neu justierten Betriebssystem strebt Siemens weniger Bürokratie und schnellere Innovationen an.
Die Keynote unterstrich Siemens‘ Rolle als Vorreiter bei der Nutzung von KI in der Industrie und setzte einen inspirierenden Akzent für die Hannover Messe 2025. Die Hannover Messe läuft vom 31. März bis 4. April 2025 und präsentiert Innovationen von über 4.000 Ausstellern aus mehr als 60 Ländern.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.